"Ruben spread the Gospel“ - Bluesfeuerwerk mit der Ruben Hoeke Band

(cn/15.5.2007-12:30) Von Christian Neeb
Wiehl – Die niederländische Ruben Hoeke Band legte zum Start der Blues Night lupenreinen Bluesrock auf das Parkett der Wiehltalhalle.

[Bilder: Christian Neeb - Begeisterten das Publikum nicht nur mit Eigenkompositionen sondern auch mit Klassikern wie dem Zeppelin Song "Whole lotta love" : Ruben Hoeke und Frank van Pardo]

Das obligatorische Marshall-Stack von Gitarrist Ruben Hoeke und das Rory Gallagher T-Shirt von Sänger Frank van Pardo machten die Marschrichtung für den Auftakt der Blues Night der Wiehler Jazztage mehr als deutlich. Gestern Abend stand kein feingeistiger Jazz auf dem Programm, sondern beinharter Bluesrock und wenn Ulf Wakenius für den intellektuellen Ansatz der Jazztage stand, dann verkörperte die Ruben Hoeke Band den Workingman-Blues pur.

[Hatte den Blues: Frank van Perdo an der Bluesharp]

Nach dem Auftakt mit „Shuffle“ und „Boogie“ wird klar, wofür Frank van Pardo den breiten Gürtel umgeschnallt hat, der einem Munitionsgurt nicht unähnlich sieht. Rund um den Bauch hat der quirlige Sänger Mundharmonikas geschnallt und erweist sich als versierter Bluesharpspieler. Die Songs voller mitreißender Soli, die Ruben Hoeke aus seiner Les Paul Goldtop abfeuert stammen, bis auf wenige Ausnahmen, alle aus der Feder der niederländischen Musiker. Bassist Dave Besse und Drummer Remco van der Sluis bilden eine Rhythmusabteilung, die wie ein Block Granit in der Halle steht. Im Gegensatz zu den vorigen Abenden ist der Sound brüllend laut und der Gitarrist muss seinen Marshall nach hinten drehen, weil dieser die ausgesteuerte Soundanlage übertönt. Mit eher ruhigeren Tönen zeigt sich die Band beim „Midnight Prayer“ von ihrer sanften Seite, obwohl ihnen der geradlinige Rock besser zu Gesicht steht.

[Mitreißende Soli auf der Gibson: Ruben Hoeke]

Bei „Swamp“ und „Tobacco Road“ malträtiert van Pardo seine Bluesharp mit schmerzverzerrtem Gesicht und Hoeke bietet mal kreischende, mal singende Gitarrensoli die jedem Freund der sechs Saiten die Freudentränen in die Augen treiben.
Absoluter Höhepunkt ist dann das Led Zeppelin-Medley mit „Bring it all home“ und „Whole lotta love“ in dem die vier Musiker zur Höchstform auflaufen. Bei der Nummer „Dirty little woman“ verschwindet Sänger van Pardo hinter den anderen Musikern und ruft unter dem Grinsen seiner Bandkollegen eine imaginäre Sex-Hotline an. „I'm horny and I'm watching T.V.“ Nach den musikalischen Ergüssen legen die sympathischen Niederländer mit den Zugaben „Rip this joint“ und „King Bee“ nochmal einen flotten Blues aufs Parkett und verabschieden sich unter dem Applaus eines durchgerockten Publikums aus der Wiehltalhalle.

Für die Wiehler Jazztage hatte die Brunohlerin Jessica Stockbörger die Bluesrock-Combo begeistern können. „Wir waren in Egmond am See und kamen abends vom Strand in die Kneipe. Da haben wir die Jungs von der Ruben Hoeke Band kennengelernt“, meint die junge Frau. Schnell war ein Kontakt zu Hans-Joachim Klein hergestellt und Jessica Stockbörger konnte die Verantwortlichen von der Band überzeugen. Ruben Hoeke verwirklicht sich mit der Band, nach langen Jahren als Studiomusiker, seinen Traum. „Meine eigene Musik machen, mit Leuten die ich mag“, das ist die Maxime des Gitarristen. Für Bassist Dave Besse, der zur Hälfte als Kindergärtner, zur Hälfte als Bluesrocker arbeitet und das erste Mal in Deutschland gastierte, war ein Konzert an einem Montag ebenso erstaunlich, wie die tanzenden Bluesfans kurz nach deren Feierabend. Echter Workingman-Blues an einem Montagabend eben.